Ich habe kürzlich meinen Lieblingspulli aus den Augen verloren – nicht im Schrank, sondern im Badezimmer. Ein kleines Bleichmittel-Malheur mit Handcreme und Abenddämmerung hatte den Stoff an einer Stelle hellgrün verfärbt. Bevor ich ihn in die Altkleiderkiste warf, erinnerte ich mich an einen Trick, den mir meine Oma vor Jahren gezeigt hat: Einfach nachfärben. Das geht nicht nur bei schwarzer Jeans, sondern auch bei bunten Lieblingsstücken.
Das Heimfärben von Kleidung ist eine unterschätzte Kunst. Manche denken sofort an teure Spezialfarben aus dem Drogeriemarkt – aber die Wahrheit ist: Die besten Farbquellen schlummern in Ihrem eigenen Küchenschrank. Kaffee, Rotkohl, Zwiebelschalen oder Kurkuma ergeben erstaunlich leuchtende Farbtöne, die oft sogar besser halten als gekaufte Chemiefarben. Dazu kommt: Kein unangenehmer Geruch, kein Plastikmüll. Ein perfekter Einstieg in den nachhaltigen Kleidungsalltag. Falls Sie aber lieber auf Nummer sicher gehen möchten und eine umfassende Übersicht über bewährte Haushaltstricks suchen, dann lege ich Ihnen ans Herz, mal einen Blick auf www.1000haushaltstipps.com zu werfen. Dort finden Sie nicht nur Färbeanleitungen, sondern auch über 1000 andere Lebenshelfer.
Der Clou: Sie brauchen nur einen großen Topf, Wasser, Essig als Fixiermittel (für Wolle und Seide) oder Salz (für Baumwolle und Leinen) und Ihr Naturfarbmittel. Kochen Sie den Stoff etwa eine Stunde lang bei niedriger Hitze, rühren Sie vorsichtig um, und lassen Sie ihn über Nacht im Farbbad liegen. Das Ergebnis ist oft ein tiefes, samtiges Orange (Kurkuma) oder ein erdiges Olivgrün (Spinatblätter).
Jeder von uns hat mindestens ein Teil im Schrank, das eigentlich perfekt sitzt, aber durch Sonne, Waschmaschine oder Flecken an Glanz verloren hat. Wegwerfen wäre nicht nur teuer, sondern auch eine ökologische Sünde. Nachfärben gibt diesen Stücken ein zweites Leben – und zwar ohne dass Sie dafür ein Chemielabor brauchen. Ich habe letzte Woche eine weiße Bluse mit schwarzen Kaffeeflecken in ein tiefes Braun getaucht. Sieht heute aus wie ein hochwertiges Designer-Stück.
Die Farben aus dem Haushalt haben aber auch ihre Tücken: Sie sind nicht immer waschbeständig. Ein Tipp von mir: Waschen Sie nachgefärbte Kleidung immer auf links, mit kaltem Wasser und einem Schuss Essig im letzten Spülgang. So bleibt die Farbe länger strahlend. Und wenn Sie mehrere Teile färben, können Sie die Restflotte für einen zweiten Durchgang nutzen – spart Wasser und Energie.
Hier eine Liste meiner persönlichen Favoriten, die ich schon mehrfach ausprobiert habe und die wirklich funktionieren:
Der größte Frust beim Nachfärben: Die Farbe wäscht sich nach dem ersten Waschgang wieder aus. Das liegt meistens an falscher Vorbereitung. Waschen Sie das Kleidungsstück vor dem Färben immer ohne Weichspüler. Weichspüler legt einen Film auf die Fasern, der die Farbe abperlen lässt. Einfach in heißem Wasser mit einem Esslöffel Soda (Natriumcarbonat) eine Stunde einweichen – das öffnet die Fasern.
Außerdem: Naturfarben brauchen Zeit. Je länger der Stoff im Farbbad bleibt, desto intensiver wird der Ton. Ich lasse meine Färbungen grundsätzlich über Nacht einwirken. Und wenn Sie ein gleichmäßiges Ergebnis möchten, rühren Sie den Stoff alle 15 Minuten vorsichtig um. Sonst gibt es helle und dunkle Streifen – was aber manchmal auch cool aussehen kann.
Mein letzter Tipp: Testen Sie immer zuerst an einem alten Geschirrtuch. So sehen Sie, wie die Farbe auf dem Material wirkt. Dann geht’s an das echte Lieblingsstück. Und falls Sie jetzt Lust bekommen haben, noch mehr über die kreative Seite des Haushalts zu erfahren – von selbst gemachtem Waschpulver bis zu Fleckenentfernung mit Zitronensäure – dann sind Sie auf der erwähnten Seite sicher auch gut aufgehoben.